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Comic-Review: 100% DC 26 (Panini)

Ein Charakter so dunkel wie Batman, so geschickt wie Catwoman, so divers wie selten ein Comic-Charakter: Das ist die moderne, lesbische und jüdische Batwoman.

Cover 100% Batman 26 (C) Panini / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDer Charakter Batwoman wurde zum ersten Mal 1954 in den "Action Comics" vorgestellt und diente damals zur Beschwichtigung der Behauptung, dass Batman und Robin eine homosexuelle Neigung teilen würden. Batwoman vergötterte den Dunklen Ritter und erhielt durch eine große Erbschaft die Möglichkeit, ihrem Idol nachzueifern. Ihre Rolle in den Comics war es schon seit jeher, etablierte Ansichten zu erschüttern. So verhalt sie in den 1950ern wohl auch den weiblichen Charakteren in den Comics zur Emanzipation.


2006 wurden eine moderne Kate Kane und ihr Alter Ego Batwoman von DC großteils unter der Regie von Greg Rucka in der wöchentlichen Serie "52" als homosexuelle Jüdin wiederbelebt. Rucka, Gewinner des begehrten "Eisner Award" für "Gotham Central", ist ein bekannter amerikanischer Autor, der die letzten drei Jahre exklusiv für DC schrieb. Mit den im 26. Band der "100% DC"-Reihe versammelten Storys wollte er einen starken Charakter mit festen Hintergrund entwickeln, der in der DC-Welt auch weiter bestehen kann. J. H. Williams III ist bereits seit Jahren als Zeichner für DC tätig, für die Arbeit an Batwoman erhielt er kürzlich zwei "Eisner Awards" als "Best Cover Artist" und "Best Penciller".


"Das Klagelied der Fledermaus" versammelt zwei abgeschlossene Storys. In der vierteiligen "Elegie" versucht die "Religion des Bösen", eine Prophezeiung zu erfüllen, die besagt dass Batwoman sterben muss. Ihre Gegenspielerin Alice, die an Lewis Carolls verträumte gleichnamige "Wunderland"-Figur angelehnt ist, bemüht sich als Hohepriesterin der Sekte nicht nur der Weissagung nachzukommen, sondern auch ganz Gotham zu zerstören.


Im Dreiteiler "Los" wird unsere Titelheldin mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Zu Kates zwölftem Geburtstag werden ihre Zwillingschwester Beth und ihre Mutter getötet. 13 Jahre später besucht sie die Militärakademie West Point und aufgrund ihrer Homosexualität entlassen. Auf der Suche nach einem neuen Ziel wird sie auf den Strassen Gothams überfallen, wehrt sich und trifft auf Batman, der bei ihr die Bestimmung, das Böse zu bekämpfen, offenbart. Kates Vater, Ex-Colonel Jake Kane, unterstützt sie bei ihrer Sache, schickt sie für zwei Jahre um die Welt, um ihre Fähigkeiten zu meistern und verhilft ihr zu einer ordentlichen Ausrüstung. Als sie nach ihrem Training wieder nach Gotham zurückkehrt, ist ihr eigener Batcave bereit zum Einsatz.


Während Batwomans Religionsbekenntnis im Comic kaum eine Rolle spielt, ist ihre Homosexualität ein Schlüsselelement für den Verlauf der Geschichte. Weiters gibt es einen offensichtlichen und auch gewollten Zusammenhang zwischen Kate Kane und Daniel Choi. Beide waren in der Militärakademie West Point und beide wurden wegen ihrer Homosexualität bzw. des Verstoßes gegen das "Don’t ask, don’t tell"-Priinzip vom Militär entlassen. Daniel Choi, der in Amerika bekannt für seinen Einsatz für Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle ist, hat zu den Recherchen für "Los" beigetragen.


Die Verwandlung Kate Kanes von der eleganten, reichen und verführerischen Frau in High Heels in der Reihe "52" hin zu einer Rebellin im "Klagelied der Fledermaus", die sich lieber in Hosen und Boots sieht, könnte für manchen Geschmack etwas zu klischeebehaftet sein. In den 1950ern konnte man das weibliche Pendant zu Bruce Wayne/Batman deutlich erkennen, heute ist Batwoman so divers, dass die Parallelen zwischen den zwei Fledermäusen nicht mehr so klar gezogen werden können. Übrig bleibt weiterhin die persönliche Tragödie, die sowohl Batman als auch Batwoman in ihrer Kindheit erfahren mussten, und sie so zum berechtigten Träger der Namen ihrer Alter Egos machen.


"Das Klagelied der Fledermaus" ist eine angemessene Einführung für Batwomans eigene Serie, die Ende des Jahres in den amerikanischen Comic-Läden erscheinen wird. Das Vorhaben Greg Ruckas, aus Batwoman einen dauerhaft interessanten und beständigen Charakter mit einem starken Hintergrund zu machen, ist gelungen. Der Zeichenstil von J. H. Williams III ist fordernd und beinhaltet außergewöhnliche Kompositionen, er hat sich die Eisner Awards dafür redlich verdient. Leider jedoch wird Batwoman zukünftig ohne Unterstützung von Rucka auf Verbrecherjagd gehen müssen, da er sich nach dem Abschluss von "Elegie" und "Los" von DC getrennt hat. Dafür wird Jim Williams III als Co-Autor und Zeichner der Serie erhalten bleiben. Wir dürfen gespannt sein, wie sich der starke Charakter Batwoman weiterentwickelt.



# # #  Mariebeth Aquino  # # #
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