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Book-Review: Die Hunt-Chroniken – Der Schattenseher (PAN)

Jeremiah Hunt sieht tote Menschen… und noch einige andere unerfreuliche Kreaturen. Doch nicht Bruce Willis steht ihm bei der Suche nach seiner entführten Tochter bei, sondern Hexen, Berserker und einige andere magische Wesen. Der spannende Auftakt einer paranormalen Trilogie.

die_hunt_chroniken_der_schattenseher_cover (c) PAN / Zum Vergrößern auf das Bild klickenJeremiah Hunt ist nahezu blind. Schemenhaft nimmt er die Umrisse der uns bekannten Welt wahr. Sein Augenlicht hat er aber nicht durch einen Unfall verloren oder gar von Geburt an nie besessen, vielmehr bei einem mysteriösen, alten Ritual geopfert, um das ihm Verborgene besser wahrnehmen zu können und endlich seine entführte Tochter wieder zu finden.


Fünf Jahr zuvor verschwindet seine Tochter Elizabeth plötzlich spurlos aus dem Haus. Bis zu diesem Zeitpunkt verläuft sein Leben in geordneten Bahnen: Die Professur an einer renommierten Universität ist seine ganze Leidenschaft, gemeinsam mit seiner wunderschönen Frau lebt er in einem Haus in einem typisch amerikanischen Vorort. Doch der Verlust seiner Tochter stürzt ihn in ein tiefes Loch. Er war keine zwei Zimmer von seiner Tochter entfernt, als diese verschwand, und konnte die Tat nicht verhindern. Die Gewissensbisse treiben Jeremiah immer weiter von seiner Frau und seinem gewohnten Leben fort. Keine Spur, kein Motiv und keinerlei Forderungen lassen die ermittelnden Einsatzkräfte ratlos zurück.


Ein paar Jahre später hat Jeremiah alles verloren und steht vor den Ruinen seiner bisherigen Existenz. Jeremiah scheint an seinen Schuldgefühlen zu zerbrechen. Dem Verbleib seiner Tochter ist er immer noch keinen Schritt näher gekommen. Alle irdischen Mittel scheinen erschöpft zu sein und die Hoffnung seine Tochter jemals wiederzusehen schwindet zunehmend, bis er eines Tages auf einen geheimnisvollen Mann trifft, der ihm eine neue Möglichkeit unterbreitet. Jeremiah ist bereit, sich an diesen scheinbar letzten Strohhalm zu klammern und führt das mysteriöse, magische Ritual durch.


Durch das Ritual verliert Jeremiah fast sein ganzes Augenlicht, gewinnt jedoch die Gabe in die Geisterwelt zu blicken. Der Anblick von morbiden Wesen, herumwandelnden Geistern und Monstern aus Legenden droht ihm zu Beginn den Verstand zu rauben. Nur schwer kann er sich an seine neue Fähigkeit gewöhnen. Geister werden zu seinen ständigen Begleitern, besonders die eines jungen Mädchens und eines muskulösen Mannes, zu denen Hunt sogar ein freundschaftliches Verhältnis pflegt.


Hunt lernt sich allmählich seiner Gabe zu bedienen und wird zum inoffiziellen Experten für übernatürliche Phänomene. Neben privaten Aufträgen wie dem Exorzismus von Poltergeistern zieht auch die örtliche Polizeibehörde Hunt immer wieder zu Rate. Als Detective Stanton ihn zum Ort eines grauenvollen Verbrechens ruft, ahnt dieser sofort, dass mit diesem Fall etwas nicht stimmt. Geheimnisvolle, uralte Zeichen bedecken die Wände. Zeichen, die für Hunt bestimmt zu sein scheinen. Verwirrt von der Erkenntnis versucht Hunt das Rätsel zu lösen und wendet sich an den mysteriösen Pub-Besitzer Dimitri und die geheimnisvolle Zaunhexe Denise Clearwater. Gemeinsam kommt das Trio der Auflösung der Mordserie immer näher, doch uralte Mächte sind am Werk. Zwielichtige Kreaturen, Hexenmeister und Doppelgänger lauern an jeder Ecke und spielen ein böses Spiel.


"Der Schattenseher" ist der spannungsgeladene Auftaktroman einer paranormalen Thriller-Trilogie. Joseph Nassises flüssiger Schreibstil treibt die Geschichte in hohem Tempo voran. Die kurzen Kapitel erzählen abwechselnd von gegenwärtigen und vergangenen Ereignissen. Der Autor versteht es geschickt die Handlungsstränge miteinander zu verweben und den Leser an der Geisterwelt teilhaben zu lassen. Wer kennt nicht ein plötzliches Kribbeln am Nacken, welches Unwissenden die Anwesenheit von Geistern verrät?


Die Verzweiflung Hunts ist gut fühlbar. Die besessene Suche nach seiner Tochter nimmt ihm zunehmend die Sicht auf das Wesentliche – seine Frau und seine Mitmenschen. So verliert Hunt eigentlich schon lange vor dem Ritual das Augenlicht, erst als er sich seinem Umfeld wieder öffnet beginnt er wieder zu sehen. Auch die zwei Nebenfiguren sind durchwegs interessant: Dimitri, der Pub-Besitzer, überrascht mit verborgenen Fähigkeiten, genauso wie die mächtige Zaunhexe Clearwater. Leider mangelt es den übrigen Charakteren etwas an Tiefgang, vor allem der mächtige Gegenspieler bleibt blass und zu unbedeutend. Die Motivationen aller Charaktere ist nachvollziehbar und fügt sich gut in das eher düstere Gesamtbild der beiden nebeneinander existierenden Welten ein.


Resümee: Insgesamt bietet "Der Schattenseher" flotten Lesespaß, der mit seinem Urban Fantasy-Setting gut zu unterhalten weiß und nur schwer aus der Hand zu legen ist. Mit Jeremiah Hunt hat der Autor einen auf verschrobene Art sympathischen Antihelden erschaffen, der noch viel Potential und sicher noch einige Überraschungen zu bieten hat. Zwar ist noch keine tiefer gehende emotionale Bindung entstanden, was vielleicht auch an der deutschen Übersetzung liegen mag, doch die grundlegenden Zutaten sind vorhanden. Wer also paranormale Spannung im magischen Umfeld der Gegenwart sucht, dem sei der Roman wärmstens empfohlen. Ich freue mich schon auf die hoffentlich bald erscheinende Fortsetzung.


# # # Andreas Himmetzberger # # #


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