Trotz größter Bemühungen ist es nicht gelungen, einen möglichen Anschlag mit einer Atombombe auf London geheimzuhalten. Mehrere Hundert Menschen sind bei den Ausschreitungen ums Leben gekommen, obwohl verhindert werden konnte, dass die Bombe gezündet wird. Doch die Gefahr ist keinesfalls gebannt, schließlich war die Bombe lediglich eine Warnung an die Regierung, sich nicht weiter mit geheimen Forschungseinrichtungen in Russland zu befassen.Wie gelangten die brisanten Informationen des Geheimdienstes an Dritte? Die unangenehme Vermutung wird zur Gewissheit: Es gibt einen Maulwurf in den eigenen Reihen. Schnell fällt der Verdacht ausgerechnet auf jenen Agenten, dem es gelungen ist, das Schlimmste zu verhindern – Jack Foster. In seinem Besitz vermutet man jenen geheimnisvollen Datenstick, der zuletzt im Besitz des ermordeten Leiters des Geheimdienstes war.
Die einzige Unterstützerin Fosters ist die Journalistin Elisabeth Sheppard, die schnell erkennen muss, wie weit die Arme des Geheimdienstes reichen, wenn es darum geht, Fakten zu vertuschen. Für sie ist der ehemalige Agent die einzige Möglichkeit, mehr über die tatsächlichen Vorgänge zu erlangen. Jack organisiert währenddessen seine Flucht außer Landes.
Alan McClory versucht immer noch Licht in das Dunkel zu bringen, das den Tod einer jungen Frau umgibt. Die Untersuchungen bringen beunruhigende Informationen ans Tageslicht, die so sicherlich nicht zu erwarten waren, doch Alan hat keine Zeit, sich auf die Ermittlungen zu konzentrieren. Ihn erreicht eine weitere Hiobsbotschaft, seine hochgradig psychisch kranke Frau ist aus der Heilanstalt geflohen und hat dabei einen der Pfleger schwer verletzt.
Nach einer gefühlten Ewigkeit ist er nun endlich erschienen, der zweite Teil des ambitionierten Hörspiel-Thrillers "End of Time". Zwei Jahre sind eine lange Zeit für die Fortsetzung eines Hörspiels, das den Hörer mit einer Menge offener Fragen zurückließ. So empfiehlt es sich vorab, die erste Folge nochmals zu hören, um allen Handlungssträngen wirklich folgen zu können. Wie schon in der Pilotfolge wird auch bei "Happy End" das Konzept vorangetrieben, mehrere Handlungsstränge zu etablieren, die parallel zueinander vorangetrieben werden und scheinbar in keinerlei Verbindung zueinander stehen.
Wie bei vielen seiner bisherigen Produktionen bedient sich Oliver Döring bei der Inszenierung seiner Geschichte der akustischen Mittel eines modernen Hollywood-Blockbusters. Schnelle Schnitte und Handlungsverschiebungen im Verbund mit unerwarteten Schockeffekten und dramatischer Musikuntermalung. In diesem Bereich macht einem Döring keiner etwas vor und man kann seine Hörspiele guten Gewissens als "State of the art" bezeichnen. Freunde gediegener Hörspielkunst sind hier fehl am Platz. Trotz der genannten Merkmale ist "Happy End" kein Hörspiel für den schnellen Konsum zwischendurch, es erfordert doch einiges an Konzentration, um die häufigen Perspektivenwechsel und das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren.
Im Gegensatz zum Opener der Serie, "Zwei Minuten", wird das Tempo etwas zurückgefahren, was sicherlich dem Umstand zu verdanken ist, dass die Hauptakteure dieses Mal nicht gegen den unerbittlichen Gegner Zeit spielen müssen. Allerdings ist das Tempo der Story immer noch deutlich höher als bei vielen anderen Produktionen und zeichnet sich durch eine rasant steigende Spannungskurve aus.
Es wäre ja schon fast etwas kurios, wenn man bei einer so groß gefahrenen Produktion bei der Besetzung der Rollen nicht ebenfalls auf dicke Hose machen würde. So verwundert es nicht, wenn jede Rolle mit einer bekannten und markanten Synchronstimme besetzt wäre. Das Intro spricht einmal mehr Joachim Kerzel (Jack Nicholson), bevor eine Riege bekannter Hollywood-Stimmen ihre Arbeit aufnimmt, um das Breitbandkino im Kopf zu inszenieren.
Da wären so illustre Namen wie Thorsten Michaelis (Wesley Snipes), Martin Kessler (Nicolas Cage), Kathrin Fröhlich (Uma Thurman, Cameron Diaz), Dietmar Wunder (Daniel Craig) und Till Hagen (Clark Gregg). Diese hochkarätige Besetzung setzt sich bis in die kleinsten Nebenrollen fort und wirklich jeder kann absolut überzeugen. Hier zeigt sich, was eine gute Regieleistung bei den Sprechern zutage fördern kann. Besonders erwähnenswert ist an dieser Stelle allerdings die schauspielerische Leistung von Liane Rudolph, die die psychisch kranke Nancy McClory so eindringlich spielt, dass es einem kalt den Rücken hinunterläuft.
Wenn auf ein Hörspiel wirklich das abgewetzte Prädikat "Kino für die Ohren" zutrifft, dann wohl auf diese trotz ihrer Laufzeit noch recht jungen Serie, die wirklich in allen Belangen überzeugen kann. Es bleibt nur zu hoffen, dass nicht erneut zwei Jahre verstreichen, bevor man endlich die dritte Folge in den Händen hält.
# # # Justus Baier # # #
Publisher: Imaga/WortArt





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