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Book-Review: Die sieben Todsünden (Hannibal)

Wie der Titel schon sagt, beschäftigt sich SLIPKNOT Fronter Corey Taylor in seinem Buch mit den sieben Todsünden: Hochmut, Geiz, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Feigheit.

(C) Hannibal Verlag / Die sieben Todsünden / Zum Vergrößern auf das Bild klickenAls SLIPKNOT 2001 das Album "Iowa" unter die Sterblichen brachten, war man davon überzeugt, dass die Band direkt aus der Hölle kommt. Die Brutalität und Authentizität auf der Bühne überzeugte. Corey Taylor hat mit Ansagen wie "Are you tired of this fucking rockstar bullshit?" auch keine Fragen zum Thema Kommerz und Starallüren offen gelassen. Spätestens bei der Veröffentlichung des "X-M@$"-Songs fing man allerdings an, sich über die Dualität des Corey Taylor Gedanken zu machen. Jetzt, wo Coreys erstes Buch "Die sieben Todsünden – Mein Leben mit Slipknot und Stone Sour" in den Regalen steht, hat man gehofft, einige Fragen über die Geschichte seiner beiden Bands, die Exzesse und noch vieles mehr beantwortet zu bekommen. Woher kommt die Aggression? Wie sind die Menschen hinter den Masken? Wie ist das Zusammenspiel hinter den Kulissen?


Jede Sünde wird in Form von psychologischen Analysen in ein Kapitel gepackt und mit Coreys persönlichen Erfahrungen, anhand von kleinen Geschichtsbesipielen, untermalt. In der Einleitung weisen die Worte "Sie als vernichtende Waffen zu bezeichnen, und uns alle damit zum schlimmsten Abschaum in der Menschheitsgeschichte zu erklären, ist ein Hohn der Gerechtigkeit" (Seite 20) pauschal auf seine Auffassung hin. Corey hat in seinem Buch "einige wenige eskapistische Stellen, ein bisschen Spaß und viele Gedanken über die Freiheit der Seele" (Seite 22) für seine Jünger aufbereitet.


Warum er die sieben Todsünden als übertrieben und überholt empfindet, erklärt er in kleinen psychoanalytischen Happen mit der Berechtigung keine davon ausgelassen zu haben. Corey plappert aus dem Nähkästchen und berichtet von wilden Partys, Sexabenteuern, Drogen bis hin zu Vergewaltigung und den dunkelsten Winkeln seiner Kindheit. Im Allgemeinen lässt er kein gutes Haar an der Menschheit und widmet trotz Ego-Booster-Erzählungen seine Gedanken der Musikindustrie, der Gesellschaft und Amerika.


Der Autor spricht den Leser direkt an und versucht auch mit einem rhetorischen Frage-Antwort-Spiel an seine Zeilen zu binden. Durch den Gebrauch der Alltagssprache wirkt es, als würde man in einer privaten Geschichtestunde mit einem Whisky in der Hand den Worten Coreys lauschen. Man muss es sich auf jeden Fall mit einer saftigen Portion Humor zu Gemüte führen. Wer sich eine 08/15-Biografie erwartet – Finger weg von dem Buch! Wer Coreys Gelaber nicht ausstehen kann: Finger weg von dem Buch! Wer sich Hintergrundinformationen über STONE SOUR oder SLIPKNOT erhofft, wird redlich enttäuscht.


Zu empfehlen ist es all jenen, die mehr über Corey Taylors Person erfahren wollen, sich für seine Sicht der Dinge und Meinung interessieren und für all jene, die die derben Erfahrungen des jungen Coreys mitverfolgen möchten. Mister Taylor hat sich auf jeden Fall jede Menge Gedanken gemacht und seine subjektive Meinung gut nachvollziehbar niedergeschrieben. Manche sagen das Zauberwerk lebt halt vom O-Ton, erweitern damit ihre Gutenachgeschichten-Sammlung und stellen es direkt neben die Bibel. Der Rest hat neuen Zündstoff für herablassende Gespräche. So viel show and shine muss nicht sein!



# # # Verena Oberhofer # # #





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Strikter Kaufbefehl.
Wer nicht nur sein Schimpfwortvokabular aufpolieren, sondern auch eine verteufelt lustige Geschichte voll Blasphemie und Zynismus lesen will, sollte (wieder) zugreifen.
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