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Comic-Review: The Rocketeer (Cross Cult)

Dave Stevens pulpiger Klassiker, entstanden in den 1980er und 1990er Jahren, liegt jetzt in einer mustergültigen Gesamtausgabe vor.

Andreas Grabenschweiger / The Rocketeer (C) Cross Cult Verlag / Zum Vergrößern auf das Bild klickenIm Juni 1991 lief ein Film in den Kinos an, der aufgrund der übermächtigen Konkurrenz von Kevin Costners Heldenepos "Robin Hood" wenig Beachtung fand und nur etwas mehr als sein Produktionsbudget von 40 Millionen Dollar einspielte. Möglicherweise lag der Grund für den unverdienten Flop darin, dass der Disney-Konzern für den Abenteuerfilm verantwortlich zeichnete und das Publikum den Konzern damals noch eher mit kindgerechter Unterhaltung assoziierte als in unseren Tagen. Nichtsdestotrotz hat sich "The Rocketeer" von Regisseur Joe Johnston über die Jahre einen Ruf als Insidertipp erarbeitet und genießt in Fankreisen Kultstatus. Mitgeschrieben am Drehbuch hat Dave Stevens, der Schöpfer der Comic-Vorlage, die ab 1982 auf ebenfalls abenteuerliche Weise eine Odyssee durch mehrere Publikationen und Verlage angetreten hat, die schließlich 1995 ihr vorläufiges Ende nahm.


Eher wenig strahlender Held der Story ist der junge Cliff Secords, der sich mit waghalsigen Flugshows mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt. Seiner bezaubernden Freundin Betty, die als Model für erotische Fotos arbeitet, ist das ein Dorn im Auge und Anlass für Streitereien. Sie träumt von einer Karriere beim Film und hat mit dem schmierigen "Marco aus Hollywood" diesbezüglich schon jemand an der Hand, der jedoch keine besonders hehren Absichten hegt. Als zwei Ganoven auf der Flucht vor der Polizei einen Raketenmotor in einem Hangar verstecken, sieht das Schlitzohr seine Chance gekommen, berühmt zu werden und Kasse zu machen. Das revolutionäre Gerät lässt sich an den Rücken schnallen und ermöglicht es damit mit atemberaubender Geschwindigkeit herumzufliegen. Cliff steigt sogleich in die Lüfte, doch sind nicht nur das FBI, sondern auch diverse zwielichtige Gestalten hinter dem Prototyp und seinem Besitzer her. Als wären diverse Verfolgungsjagden und blaue Flecken nicht schon Trubel genug, reißt Betty endgültig der Geduldsfaden und sie macht sich mit Marco aus dem Staub Richtung New York. Kann sie Cliff noch rechzeitig finden, bevor sie nach Europa weiterreist?


Nicht nur als einer der erfolgreichsten Vertreter der frühen Independent-Comic-Bewegung in den USA der 1980er Jahre ist "The Rocketeer" von künstlerischer Bedeutung, sondern auch als zeitgeschichtliches Dokument – hat Dave Stevens mit seinem Raketenmann doch den Geist der Groschenromane und Movie Serials der 1940er und 1950er ins Gedächtnis der Öffentlichkeit zurückgeholt und damit große Pionierarbeit geleistet. Dem wohl berühmtesten Pin-Up-Girl aller Zeiten, Bettie Page, hat er mit Cliffs glamouröser Freundin zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt und gleichzeitig die Erinnerung an das ehemalige Sexsymbol neu erweckt. Allein die berühmte "Wow!"-Szene mit der spärlich bekleideten Betty verdeutlicht die große Kunst und liebevolle Verneigung vor einer ganzen Epoche. Die Geschichte selbst glänzt nicht durch Komplexität oder unerwartete Wendungen, sondern ist geradlinig gehalten und spiegelt seine filmischen Vorbilder gerade dadurch wider. Die Zeichnungen sind erste Sahne, die Neukolorierung von Laura Martin ergänzt das Artwork von Dave Stevens auf fantastische Weise. Leider weilt der Meister seit 2008 nicht mehr unter uns und kann uns keine der vor seinem viel zu frühen Krebstod anvisierten neuen Rocketeer-Abenteuer mehr schenken. Ein Hoffnungsschimmer für alle Fans ist aber die Ankündigung des US-Publishers IDW, in Kürze mit einer vierteiligen Miniserie und kreativen Köpfen wie Kurt Busiek, Mike Allred, Darwyn Cooke und Bruce Timm neu durchzustarten. Bis dahin ist diese von Cross Cult wie gewohnt liebevoll umgesetzte deutsche Ausgabe eine Pflichtlektüre für jeden popkulturell Interessierten.



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Strikter Kaufbefehl.
Wer nicht nur sein Schimpfwortvokabular aufpolieren, sondern auch eine verteufelt lustige Geschichte voll Blasphemie und Zynismus lesen will, sollte (wieder) zugreifen.
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