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Comic-Review: Nemesis (Panini)

Das bewährte Team Millar/McNiven lassen die Fetzen fliegen – fies, noch fieser, Nemesis!

(C) Panini Comics / Nemesis / Zum Vergrößern auf das Bild klicken"Was für ein Arschloch! Wer stiehlt denn das Spenderorgan eines sterbenden Kindes?"

(ein Polizist)

Neben Robert Kirkman und Brian Michael Bendis ist Mark Millar einer der bedeutendsten Comic-Autoren, die in der ersten Dekade des jungen Jahrhunderts ins Rampenlicht getreten sind. Und, wie die Einspielergebnisse der Leinwand-Adaptionen seiner Miniserien "Kick-Ass" (mit Altmeister John Romita jr.) und "Wanted" (mit J. G. Jones) zeigen, hat der Mann auch erfolgreich in Hollywood Fuß gefasst. Wie jeder gute Schreiber, der von der Insel kommt, hat er natürlich ebenfalls beim legendären Magazin "2000 AD" gedient und war stark in den Ausbau von Marvels erfolgreichem Ultimate-Imprint involviert. Letztes Jahr hat er mit "CLiNT" ein eigenes Comic-Magazin gestartet, das neben Material aus "Kick-Ass 2" auch Arbeiten von Kollegen enthält, und die beiden Miniserien "Superior" und "Nemesis" auf den Weg gebracht. Beide scheinen aufgrund ihrer Konzeption die jeweilige Antithese zueinander zu sein, und so ist es nur logisch dass Panini "Nemesis" nun als Sammelband veröffentlicht und auf dessen Einband bereits "Superior" ankündigt.


Worum geht es nun in dem Vierteiler, der – ungewöhnlich für den Stuttgarter Verlag – mit dem Hinweis "Empfohlen ab 18 Jahren" versehen ist? Kurz gesagt um das wahnwitzige Psychoduell, das ein unbekannter Maskierter namens Nemesis mit dem Polizeichef von Washington, D.C. austrägt. Blake Morrow steht auf der schwarzen Liste des Bösewichts, die mit dem Blut unzähliger Menschen geschrieben worden ist und für wahnwitzige Sprengstoffattentate, Diebstahl und die Ermordung zahlreicher Cops und Zivilisten in Asien gesorgt hat. Nun expandiert Nemesis in die USA und nennt seinem Gegner netterweise auch noch dessen genaues Todesdatum. Und das, um kurz darauf sein Zerstörungswerk zu beginnen, das von der Sprengung eines Football-Stadions bis hin zur Vergasung der Mitarbeiterschaft des Pentagons alle Register des Bösen zieht. Morrow zieht im Katz-und-Maus-Spiel zunächst den Kürzeren, bis er Nemesis doch noch dingfest machen kann. Doch ist das nicht auch einfach nur ein Teil von dessen durchtriebenem Plan?


Die 108 Seiten von "Nemesis" zeigen Millar in seinem Element, nach Herzenslust kann er die Sau rauslassen. Zugegeben, die von Millar ausgegebene Prämisse "Was wäre, wenn Batman der Joker wäre?" mit einem Milliardär, der sich auf die Seite des Bösen schlägt, ist keineswegs ein Höhepunkt an Innovation. Als Vehikel für jede Menge fieser Kommentare, Demütigung von Menschen und Garstigkeiten aller Art reicht er jedenfalls wunderbar aus – und die Hauptsache ist immer noch eine kurzweilige Lektüre! Der Leser sollte wissen worauf er sich bei Millars Ausflügen über den Superhelden-Tellerrand hinaus einlässt, denn dann kann er das angerichtete Schlachtfest mit abgeschaltetem Gehirn und fiesem Grinsen in der Fresse richtig genießen. Über Kollabopartner McNiven, dessen detaillierten, kraftvollen Strich wir zuletzt in "Old Man Logan" bewundern konnten, muss an dieser Stelle wohl nichts mehr gesagt werden. Wer "Nemesis" als zynisch-brutales Schmankerl für zwischendurch akzeptiert, dürfte damit seine Freude haben.



# # # Andreas Grabenschweiger # # #





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Strikter Kaufbefehl.
Wer nicht nur sein Schimpfwortvokabular aufpolieren, sondern auch eine verteufelt lustige Geschichte voll Blasphemie und Zynismus lesen will, sollte (wieder) zugreifen.
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