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Comic-Review: Micky Epic (Ehapa)

Zu Warren Spectors nostalgischem Trip in die bunte Disney-Vergangenheit ist ein Comic erschienen, der seinem multimedialen Gegenüber mehr als ebenbürtig ist.

(C) Egmont Ehapa Verlag / Micky Epic / Zum Vergrößern auf das Bild klicken"Wie sind nur zwei vergessene Relikte! Aber du… du bist die Maus!"



Wenn man dieser Tage die zwei magischen Worte "Walt Disney" in die Runde wirft, die einst für begeistertes Leuchten in Kinderaugen garantierten, erntet man bei den lieben Kleinen oftmals ein Schulterzucken. Haben den Stars des Konzerns doch über die Jahrzehnte andere Helden der Kinderstube den Rang abgelaufen, ohne an auch nur ansatzweise an die Faszination von Donald Duck & Co. heranzukommen. Was den Nachwuchs an die Bildschirme fesselt, ist meist leider nur ein schwaches Abziehbild vergangener, glorreicher Zeiten, die Micky Maus neben Superman, Coca-Cola und Kaugummi einst zum berühmtesten Exportartikel der USA gemacht haben. Wenn sich Disney in der öffentlichen Wahrnehmung darauf zu konzentrieren scheint, Johnny Depp in der Gegend herumpiratieren zu lassen und den nächsten Justin Bieber-Klon heranzuzüchten, bleibt dem weinenden Auge des Popkultur-Connaisseurs nur die Flucht aus dem tristen Unterhaltungsalltag und ein verklärender Blick zurück auf die goldenen Zeiten von "Fantastia" und "The Wise Little Hen".


Ob Warren Spector aus einer ähnlichen Emotion heraus gehandelt hat, ist fraglich, jedoch hat er nach den beiden Kult-Franchises "Deus Ex" und "Thief" (auf Deutsch "Dark Project") mehrere Jahre an einem Videogame-Projekt für die Disney Interactive Studios gearbeitet. Das Resultat war "Epic Mickey" für die Wii-Konsole, hierzulande unter dem verdrehten Titel "Micky Epic" erschienen und mit zwiespältigen Kritiken bedacht. Da die titelgebende Figur seit jeher vom Medium Comic so weit entfernt ist wie Donald Duck vom nächsten Wutanfall, lag es auf der Hand zum Spiel eine passende Veröffentlichung für die Freunde bunter Bücher zu schaffen. Ran durfte Peter David, nicht nur Marvel-Kennern von seinen legendären Hulk-Runs bekannt, sondern zuletzt auch federführend bei der Graphic Novel zum ersten "Tron"-Film – wie es der Zufall will natürlich ebenfalls aus dem Hause Disney.


Wer "Micky Epic" gespielt hat, wird von der Handlung des knapp 70 Seiten starken Hardcovers-Band von Ehapa wohl nicht mehr überrascht werden. Auch hier wird unsere Lieblingsmaus durch einen Spiegel in die Werkstatt eines Magiers gelockt und handelt sich durch ihre verhängnisvolle Neugier eine Menge Ärger ein. Das schräge Wasteland, in dem die von den Zuschauern vergessenen Disney-Charaktere leben, wird durch Mickys Schuld von einem bösartigen Phantom heimgesucht. Verbündet mit einem verrückten Professor, versucht es, nun auch in die Welt jenseits des Spiegels zu gelangen. Gemeinsam mit dem eigenwilligen, einstigen Publikumsliebling Oswald, dem (nicht mehr) glücklichen Hasen, der ihn hasst wie die Pest, muss Micky versuchen die Bewohner von Wasteland und seine eigene Welt zu retten. Bewaffnet mit einem magischen Pinsel und mit tatkräftiger Unterstützung von Gus, einer Figur aus Roald Dahls Kinderbuch "The Gremlins", macht er sich daran seinen Fehler wiedergutzumachen.


Peter David macht das Beste aus der Vorlage, die ihm Warren Spector geliefert hat – soll heißen: Ein überzeugendes Lesevergnügen, dass dem Spiel über weite Strecken sogar überlegen ist. Im Verhältnis zum engen Rahmen der Erzählung ist der Nostalgiefaktor sogar noch höher geschraubt worden und lädt auch Nicht-Consoleros dazu ein, eingeflochtene Zeichentrickklassiker wie "Steamboat Willie" zu entdecken. Auf die Spitze wird die liebevolle Verbeugung vor den Klassikern ebenso wie im Videogame mit den zwei verschiedenen Kalenderblättern getrieben, die sich neben Mickys Spiegel finden: Ist es zu Beginn der 25. März, dasselbe Datum wie beim ähnlich angelegten Cartoon "Thru the Mirror" von 1936, zeigt der Kalender zum Ende den 18. November an, an dem "Steamboat Willie" 1928 in die Kinos kam und mit der nur leicht angewandelten Oswald-Variation namens Mickey Mouse dem Original die Show stahl – augenzwinkernder kann man es nicht mehr machen. Fabio Celoni und Paolo Mottura fassen das Abenteuer in dynamische und farbenfrohe Bilder, die den durchwegs positiven Eindruck wunderbar abrunden. Keinesfalls nur für Kinder geeignet!



# # # Andreas Grabenschweiger # # #





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Strikter Kaufbefehl.
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