Es war einmal vor langer Zeit, als knackige Frauen mit ebenso bunten wie engen Klamotten und mächtig Holz vor der Hütte ein gehöriges Wörtchen mitzureden hatten. Wir sprechen vom amerikanischen Comic-Markt in den 1990er Jahren. Nachdem sie bei Marvel die Verkaufszahlen in letztendlich ungesunde Höhen schießen ließen, machten sich einige "junge Wilde" daran, mit dem neuen Verlag Image Comics das Business ordentlich aufzuräumen. Jim Lee, Rob Liefeld, Todd McFarlane und weitere Künstler veröffentlichten unter dessen Dach ihre eigenen Schöpfungen, ohne wie bei ihrem früherem Arbeitgeber die Rechte an diesen abtreten zu müssen. Der neue Konkurrent ließ die "Big Two", Marvel und DC, ab Frühjahr 1992 mit seinen Absatzzahlen gehörig zittern: Liefelds "Youngblood" Nr. 1 verkaufte 930.000 Stück trotz des damals hohen Coverpreises von 2,50 Dollar, während es McFarlanes erste "Spawn"-Ausgabe auf unglaubliche 1,7 Millionen brachte – ein Rekord, der bis heute unerreichbar geblieben ist und wohl auch bleiben wird.Die jungen Künstler hatten also einen denkbar guten Start hingelegt und sicherten Image ein beachtliches Stück vom Kuchen, doch relativ schnell begann der Verlag nicht nur an den chronischen Verspätungen seiner Hefte zu laborieren. Das Hauptproblem bei vielen Serien war die Tatsache, dass ihre Schöpfer nicht nur für das Artwork zuständig waren, sondern auch als Autoren fungierten. Während ihre Zeichenkunst unbestreitbar sein mag, krankten die Storys oftmals an plumpen Plots und platten Dialogen. Grimmigen Anithelden, ausgestattet mit Riesenmuckis und bis an die Zähne bewaffnet, lieferten sich ihre Duelle und blieben als Charaktere doch meist blass. Ihre weiblichen Kolleginnen verhielten sich nicht anders und glänzten mehr mit optischen Vorzügen als Tiefgang, was dem Verkaufserfolg aber nichts anhaben konnte. Als Folge davon überschwemmten Image und diverse Trittbrettfahrer den Markt mit jede Menge "bad girls". Was das mit "Bomb Queen" zu tun hat? Auf den ersten Blick so einiges.
Jimmie Robinson, der bei Image bereits mehrere Titel veröffentlicht hat, startete 2006 mit einem neuen Projekt durch. Dessen Protagonistin ist die nahezu unbeschränkte Herrscherin der Stadt New Port City, in der Bürgermeister und Polizei nach ihrer Pfeife tanzen. Die Bomb Queen, eine ebenso attraktive wie stets gewaltbereite Schurkin, führt seit vielen Jahren ein strenges Regiment, das missliebige Personen meist mit Bomben ausschaltet, aber auch seine Vorzüge hat: In den eigens eingerichteten Verbrechenszonen ohne Strafverfolgung florieren Drogen- und Menschenhandel und bescheren der Stadt ein solides Wachstum, das nicht nur den Senat vor einer Intervention zurückschrecken lässt. Dann treten jedoch binnen kurzer Zeit zwei Personen auf den Plan, die miteinander in Verbindung stehen: Der aufstrebende Politiker Robert Woods gedenkt, aufzuräumen und stellt sich der Wahl um den Bürgermeistersessel. Gleichzeitig erregt das Auftauchen des ersten Superhelden seit langem, Ace Justice, den Unmut der Bomb Queen. Höchste Zeit, aufzuräumen!
"Sexbombe – Die bläst dich weg!" tönt das Cover des Bands, und tatsächlich weiß Jimmie Robinson in den vier Kapiteln der Auftaktstory zu unterhalten. Sein unbekümmerter und lockerer Zeichenstil harmoniert bestens mit der sehr flüssig zu lesenden Story. Vordergründig will "Bomb Queen" eine witzige Veralberung gängiger Superhelden-Klischees und gesellschaftlicher Normen sein und punktet sowohl mit vorsätzlicher politischer Inkorrektheit als auch einigen Anzüglichkeiten – das funktioniert auf weiter Strecke eigentlich ganz gut. Bleibt noch die Frage, wie es in den Folgebänden weitergeht. Interessant zu beobachten wird etwa auf jeden Fall sein, ob und wie der Verweis auf die anderen "Queens", mit denen die Titelschurkin zusammengearbeitet hat, aufgegriffen wird. Von solchen Details und weiteren Infos zu Charakter und Geschichte der "Bomb Queen" wird abhängen, ob die Serie nicht nur mit Wortwitz und blankem Busen punkten kann.
# # # Andreas Grabenschweiger # # #





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