Vollmundig verspricht der Waschzettel einen fesselnden Thriller, besser als Dan Brown. Doch dieser Vergleich hinkt, obwohl es natürlich stimmt, dass dieser Roman besser zu unterhalten weiß als der letzte vom Übervater des Kirchenthrillers. Das Buch des deutschen Autors Ralf Isau ist nämlich sicherlich kein im Mainstream beheimateter Roman, bis zum Bersten angefüllt mit den verschiedensten Verschwörungstheorien, die sich in der Mutter Kirche in den vergangenen Jahrtausenden angesammelt haben. Wer mit diesen Erwartungen an "Messias" herangeht, könnte bitter enttäuscht werden. Wer allerdings bereit ist, sich auf einen etwas anderen Thriller im Kirchenmilieu einzustellen, wird mit diesem Buch bestens unterhalten werden. Zunächst hat es jedoch den Anschein, als wolle auch dieser Roman die ausgetretenen Pfade nicht verlassen.In einer kleinen Gemeinde in Irland geschieht Ungeheuerliches. In der örtlichen Kirche steigt ein junger Mann vom Kreuz, mit blutenden Wunden stigmatisiert, und behauptet Jesus Christus zu sein. Die zweite Ankunft des Heiland wird flankiert von einer ganzen Anzahl unerklärlicher Vorgänge: Sünder werden von Blitzen gerichtet, ein Baum steht über Nacht in voller Blüte und so weiter. Zu allem Überfluss läuft eine gigantische Medienmaschinerie an, die die erneute Ankunft von Gottes Sohn möglichst gewinnträchtig auszuschlachten gedenkt. In der katholischen Kirche macht sich Unsicherheit breit und man beauftragt den Sonderermittler Hester McAteer mit der Untersuchung der Wunder von Graiguenamanagh.
Damit schickt Isau zum zweiten Mal seinen bärbeißigen Ermittler aus dem Vatikan ins Rennen, um hinter die Geheimnisse des kleinen irischen Ortes zu kommen. Der Leser braucht den ersten Roman "Die Dunklen" nicht zu kennen um dieses Buch genießen zu können, lediglich an einer Stelle wird Bezug auf die früheren Ereignisse genommen, was aber keinesfalls negativ ausfällt. Mit dem Auftauchen von Hester McAteer endet eigentlich auch bereits eine Ähnlichkeit zu Dan Brown, sieht man vielleicht vom klerikalen Hintergrund ab. Denn der "Wundermacher" des heiligen Vaters ist weiß Gott kein Heiliger, denn auch er hat so einige Ecken und Kanten, was die Figur aber direkt um einiges sympathischer erscheinen lässt. Überhaupt das gesamte Figurenensemble, das Isau in dem irischen Dorf für den Leser bereit hält, ist sicherlich nicht alltäglich. Ob dies nun der 103-jährige Vater McAteers ist, der als der Moses von Graiguenamanagh bezeichnet wird und einige sehr unterhaltsame Dialoge mit seinem Sohn führt, die sicherlich auch mal zum Nachdenken einladen, oder die anderen skurrilen Gestalten, die der Ort im Repertoire hat. Besonders gelungen ist hier die Figur des Mannes, der seit dem Tod seines Hahns dessen Job übernimmt und den Tagesanbruch begrüßt.
Isau gelingt es wirklich vortrefflich, die Sonderlichkeiten einer irischen Kleinstadt und die Eigenheiten der Menschen einzufangen. Allein dies lässt den Roman sehr unterhaltsam ausfallen. Doch auch kritische Töne sind in diesem Buch zu finden, ob dies nun die offensichtliche Kritik an den verkrusteten Strukturen der römisch-katholischen Kirche ist oder die Sensationslust der Medien, die keinerlei Skrupel zu kennen scheint. Auf der anderen Seite steht allerdings auch die Anregung, sich auf eine Kirche zurückzubesinnen, die sich ihrer Wurzeln erinnert und sich von den ausufernden, verkrusteten Ritualen befreit, die sie heute nach außen repräsentiert. Immer wieder schimmert auch der Wunsch vieler Menschen durch, wieder an etwas glauben zu wollen und zu können, in einer Zeit, da diese menschlichen Bedürfnisse scheinbar immer weiter in den Hintergrund treten. Anders ist die in diesem Buch thematisierte Euphorie bei der scheinbaren Rückkehr des Heilands wohl nicht zu verstehen. All die hier angesprochenen kritischen und nachdenklichen Untertöne werden aber keinesfalls mit dem Holzhammer vorgetragen und wirken sich nie störend aus. "Messias" ist und bleibt ein gelungener Thriller mit mysteriösen Einsprengseln, der seine Leser von Anfang bis Ende zu unterhalten weiß. Nicht mehr und nicht weniger, eine Tatsache, derer sich sicherlich nicht jedes Buch rühmen kann.
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