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Comic-Review: Black Hole (Reprodukt)

Sex, Drugs und Mutationen unter Teenagern eines amerikanischen Vororts, das sind die Zutaten dieses irren Werks im positivsten Sinne.

(C) Reprodukt / Black Hole / Zum Vergrößern auf das Bild klickenGut Ding braucht Weile, so auch im Fall der zwölfteiligen Comic-Serie von Charles Burns, die von 1995 bis 2005 in zwei Verlagen erschienen ist und von einem dritten in gesammelter Form vorgelegt wurde. Diesen Sammelband hat Reprodukt jetzt nach sechs Einzelheften im limitierten Schuber dem deutschsprachigen Publikum vorgelegt. Der Schauplatz ist ein Vorort von Seattle in den 1970er Jahren, alles scheint seinen gewohnten Gang zu gehen. Die Teenager gehen zur Schule, hängen danach ab, trinken und rauchen Joints, feiern Partys ebenso wie neue Platten von DAVID BOWIE oder EMERSON, LAKE & PALMER. Dass die beschwerte Jugend nur eine Illusion ist, wird auf den ersten Seiten klar, als der junge Keith im Unterricht umkippt und man einen ersten Vorgeschmack auf den Horror erhält, der über die Protagonisten hereinbricht.


Unter den Kids grassiert nämlich eine Seuche, die passenderweise als "Teenager-Pest" bezeichnet wird und zu teils grotesken Mutationen und Verunstaltungen des Körpers führen. Übertragen wird "der Bazillus" unter anderem durch ungeschützten Geschlechtsverkehr, und der ist in diesen Zeiten gang und gäbe. So erwischt es auch die hübsche Chris, die sich mit Rob einlässt und von ihm infiziert wird. Da sie mit der kurz darauf erscheinenden riesigen, klaffenden Wunde auf dem Rücken Aufsehen erregt, sieht sie keinen anderen Ausweg als sich den Außenseitern anzuschließen – ehemaligen Mitschülern, die sich ebenfalls angesteckt und in der Abgeschiedenheit der Wälder ein Camp eingerichtet haben, um dort fern von der Gesellschaft zu hausen. Ihnen begegnet auch Keith, der sich mit der Künstlerin Eliza eingelassen hat und ebenfalls infiziert wurde.


Pure Reefer Madness lässt Charles Burns in seiner Erzählung walten, unterlegt von abgefahrenen Trips, die seine Figuren durchmachen. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese durch entsprechenden Drogen oder Alpträume hervorgerufen werden, das Resultat bleibt das gleiche. "Black Hole" kommt als schräg-genialer Bastard aus Coming of Age-Story, Sozialstudie, AIDS-Parabel und Horror daher, der vom Artwork her an die guten alten EC-Comics erinnert. Das unheimliche Setting wird durch schlichtes Schwarz-weiß hervorragend transportiert, es ist nicht weiter verwunderlich dass Burns auch mehrere Preise als bester Inker gewonnen hat. Unterm Strich bleibt ein ebenso verwirrendes wie faszinierendes Werk, das Wert darauf legt, nicht alles zu erklären, sondern mit subtilem Gruseln zu begeistern, das sich zu einem großen Stück aus der guten, alten "Teenage Angst" speist.



# # # Andreas Grabenschweiger # # #





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Strikter Kaufbefehl.
Wer nicht nur sein Schimpfwortvokabular aufpolieren, sondern auch eine verteufelt lustige Geschichte voll Blasphemie und Zynismus lesen will, sollte (wieder) zugreifen.
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